Auch nach Kriegsende keine Sicherheit!

Dass Kriegsgebiete Todeszonen sind – darüber herrscht Einigkeit. Doch auch nach Ende des Krieges ist die Gefahr längst nicht gebannt. Zurückgebliebene Kampfmittel, wie Minen, Sprengsätze oder Blindgänger sind eine permanente, überall lauernde Bedrohung und haben gravierende Folgen für die Menschen vor Ort. Das Bewusstsein für diese Problematik ist häufig nur gering ausgeprägt.

Umso wichtiger ist die Arbeit von OneStepFurther, einem Verein mit dem Schwerpunkt Kampfmittelbeseitigung, der in Langenpreising im Norden von München seinen Sitz hat. Bei meinem Besuch konnte ich mich über die tolle Arbeit des Vereins informieren und habe gemerkt: der Name ist Programm – denn hier wird tatsächlich einen Schritt weiter gedacht. Symbolisch steht dafür das neueste Projekt „Train the Trainer“, an dem momentan mit Hochdruck gearbeitet wird. Ziel ist es Kriegsflüchtlinge, die in ihre Heimat zurückkehren wollen, in der Fähigkeit der Kampfmittelräumung auszubilden und sie dabei zu unterstützen vor Ort ein MultiplikatorInnen-System aufzubauen. So soll die hier erworbene Expertise weitergegeben werden um eine langfristige und nachhaltige Wissensvermittlung zu ermöglichen. Ein, wie ich finde, absolut unterstützenswertes Vorhaben! Deshalb werde ich versuchen, den Verein, dessen Mitglieder auf ehrenamtlicher Basis arbeiten, bei der Suche nach einer geeigneten Finanzierung für das Projekt zu unterstützen.

 

 

Die Führung über das Übungsgelände der EMC Kampfmittelbeseitigungs GmbH hat mir anschaulich vor Augen geführt, wo und wie Minen und Sprengfallen versteckt sein können. Los ging es an einem mit Sand gefüllten Beet, das zunächst recht unscheinbar und harmlos wirkte. Doch bei genauerer Betrachtung kamen immer mehr Sprengsatz-Attrappen zum Vorschein – ob getarnt als Müll, künstlich hergestellten Steinen, versteckt in Truhen oder einfach im Sand vergraben – durch die vielfältigen Tarnungen ist selbst bei der bewussten Suche, ein Erkennen für das ungeschulte Auge nahezu unmöglich. Deshalb ist eine fundierte Ausbildung von großer Bedeutung. In Langenpreising kommt dabei auch Hightech zum Einsatz. Neben Modellen aus dem 3D-Drucker, wird der Aufbau und das Wirkungsprinzip von verschiedenen Kampfmitteln mit Hilfe einer VR-Brille veranschaulicht.

 

 

An der nächsten Station wurde eine Szene nachgestellt, bei der eine Mine im Gestrüpp vor einer Hütte platziert wurde und es während der Aufräumarbeit zur Detonation kam. Dies führt vor Augen , dass Frauen, Kinder und Männer selbst in ihrem Zuhause nicht sicher sind – ein Problem, das momentan viele syrische RückkehrerInnen betrifft.

Der nächste Teil des Rundgangs befasste sich mit dem Vorgehen bei der Minenräumung. Mir wurde gezeigt, wie Gebiete zunächst mit Metalldetektoren nach Minen abgesucht werden. Ein großes Problem hierbei ist, dass neuere Minen immer weniger Metall enthalten und stattdessen zunehmend aus Plastik bestehen. Bei einem Verdachtsfall müssen MinenräumerInnen mit speziellen Schutzanzügen, die ein Gewicht von 40 kg haben, anrücken. Bestätigt sich der Anfangsverdacht muss eine kontrollierte Sprengung erfolgen. Dieser Vorgang ist sehr zeitaufwendig und trotz Schutzausrüstung alles andere als ungefährlich.

 

 

Die letzte Station führte uns in den Ausstellungsraum, den ich eher als Kabinett des Horrors bezeichnen würde. Die Vielzahl an unterschiedlichsten Kampfmitteln und die dazugehörigen Erklärungen haben eindrücklich gezeigt, welche Grausamkeit von Minen ausgeht. Genau deshalb ist die konsequente Umsetzung des Ottawa-Abkommens zum Verbot von Antipersonenminen so elementar. 1997 unterzeichneten 121 Staaten, unter anderem Deutschland, das Abkommen. Mittlerweile sind es 164 Staaten. 2014 haben die Unterzeichnerstaaten sich das Ziel gesetzt, die Welt bis 2025 von Minen zu befreien. Trotz vieler Erfolge zeigt der Landminenreport 2017, dass noch viel getan werden muss. Nachdem die Opferzahlen bis 2013 gesunken sind, kam es in den vergangenen Jahren wieder zu einem Anstieg, der auf die Kriege und Konflikte in Syrien, Afghanistan, dem Jemen, Libyen und der Ukraine zurückgeführt wird. Wenn wir über die Situation der Menschen in (ehemaligen) Kriegsgebieten reden, dürfen wir die Bedrohung durch Minen nicht vergessen. Denn das Heimtückische an ihnen ist, dass sie keinen Waffenstillstand und Frieden kennen.

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