Bedrückender Besuchstermin in der Bayernkaserne

Man muss das gesehen haben. Die Situation für die minderjährigen Flüchtlinge im bayerischen Erstaufnahmelager für Asylbewerber in der Münchner Bayernkaserne ist bedrückend. Beim Ortstermin mit meiner Kollegin Claudia Stamm, Alexander Thal vom bayerischen Flüchtlingsrat  und zahlreichen MedienvertreterInnen habe ich mir ein Bild gemacht. Die Unterkunft für die „unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge“ (Offizielle verwenden gerne nur das unpersönliche Kürzel UMF) ist dramatisch überbelegt. Und das seit Monaten. Zwei- bis Dreibettzimmer sollten die Realität sein. Es gibt hier aber auch Sechsbettzimmer. Junge Männer aus Somalia, Afghanistan und Pakistan leben auf engstem Raum. Sie haben in ihrem jungen Leben hauptsächlich Krieg, Bürgerkrieg und Gewalt erlebt, viele sind traumatisiert. Tagsüber werden sie von engagierten aber zu wenigen Sozialpädagogen der Inneren Mission betreut(Betreuungsschlüssel 1:10!). Wenn diese aber um 20 Uhr nach Hause gehen, sind die Flüchtlinge einem Wachdienst ausgeliefert, vor dem sie sich fürchten.

„Die Wachleute schikanieren uns, Farbige werden hier diskriminiert, wir haben Angst“, sagt uns ein junger Somali. Er lag im Bett, als es Ende Februar zu Gewaltausbrüchen kam in der Unterkunft. Angeblich ausgelöst von den Asylbewerbern, vielleicht aber auch provoziert vom Wachpersonal. „Entwürdigend“ war es für ihn, als er nachts von den Wachleuten aus dem Bett geholt und von der Polizei verhört wurde. „Ich bin mir vorgekommen, wie ein Schwerverbrecher.“ Was ein Problem ist: Die jungen Leute bleiben viel zu lange in dieser Erstaufnahmeeinrichtung mit ihren schwierigen Rahmenbedingungen, die keinen Raum für Privatsphäre lassen. Ausdrücklich gelobt wird von den jungen Leuten die Arbeit der Inneren Mission, die jedoch oft an die Grenzen der gesetzlichen und finanziellen Vorgaben stößt.

Was wir jetzt brauchen: Eine bessere sozialpädagogische Betreuung mit mehr Personal und längeren Betreuungszeiten (mindestens bis 24 Uhr).  Jugendliche Asylbewerber müssen so schnell wie möglich raus aus der Kaserne und in Einrichtungen der Jugendhilfe untergebracht werden. Ziel muss es sein, minderjährige Flüchtlinge erst gar nicht Lagern unterzubringen sondern in Jugendhilfeeinrichtungen oder Wohnprojekten. Das Wachpersonal muss dringend für die besonderen Bedürfnisse und Probleme von Flüchtlingen sensibilisiert und interkulturell geschult werden.

Es ist vieles im Argen – in der Bayernkaserne und in der Bayerischen Asylpolitik. Wir Grüne fordern einen menschlichen Umgang mit den Schutz suchenden Menschen. Gerade in Bayern, das so stolz ist auf seine christliche Prägung…

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