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Der einzige Grund Ihrer Einlassung heute liegt offenbar darin, dass Sie sich auch gerne mal hier hinstellen wollten und was Positives verkünden wollten. Das sei Ihnen gegönnt. Viel Gelegenheit haben Sie ja sonst nicht dazu. Da muss man schon schau'n, wo man bleibt. Gleich beim nächsten Tagesordnungspunkt wird's ja schon wieder ungemütlich für Sie, Herr Schneider.
Aber jetzt wollen wir mal genau hinschauen.
Was sagt uns Früh-Pisa und was nicht?
Was wir allerdings wissen, ist,
Wenn Sie, Herr Schneider davon sprechen, dass die neusten Pisa-Ergebnisse mit dem Mythos – heute sprechen Sie von Märchen - Schluss gemacht hätten, dass es in Bayern einen besonders stark ausgeprägten Zusammenhang zwischen Bildungschancen und sozialer Herkunft gibt, dann ist das nichts als Wunschdenken. Denn zum einen ist das kein Mythos, sondern ein eindeutig wissenschaftlich belegtes Ergebnis der letzten Pisa-Studie. Sie können nicht nur die Ergebnisse zur Kenntnis nehmen, die Ihnen gefallen, Sie müssen sich schon auch mit den unerfreulichen Wahrheiten auseinandersetzen. Ich weiß ja, von Selektion verstehen Sie eine ganze Menge. Aber selektive Wahrnehmung ist genau so wenig ein Erfolgsmodell wie selektiver Zugang zu den Bildungschancen. Zum anderen sagen die aktuell vorliegenden Pisa-Daten eben nichts über die Situation derjenigen Kinder, die die Verlierer des bayerischen Bildungssystems sind. Für die betroffenen Kinder ist das kein Mythos, sondern bittere Realität. Hier für gerechte Bildungschancen zu sorgen, ist nach wie vor DIE große Herausforderung für die bayerische Bildungspolitik. Da kann keinerlei Entwarnung gegeben werden.
Früh-Pisa erlaubt auch keine Aussage über die Ursachen der Kompetenzzuwächse. Auch das betonen die Forscher "Über die Ursachen der Kompetenzzuwächse lassen sich nach den bisher durchgeführten Analysen noch keine Aussagen machen." Eine Bestätigung Ihrer bildungspolitischen Maßnahmen lässt sich daraus im Moment jedenfalls nicht ableiten. Im Gegenteil: Sie haben Glück, dass das aktuelle Chaos in den Schulen nicht in die Pisa-Erhebung mit eingeflossen ist, da die Tests im Jahr 2003 durchgeführt worden sind. Eine Bestätigung Ihrer derzeitigen Politik lässt sich daraus auf jeden Fall nicht ableiten. Auch wenn Sie das als Rechtfertigung bitter nötig hätten, aber dazu können Sie Pisa nicht missbrauchen.
Was man jedoch sagen kann: Die bayerischen SchülerInnen haben in den Pisa-Tests besser abgeschnitten als ihre MitschülerInnen in den anderen Bundesländern. Das ist sehr schön – aber es nützt Ihnen nichts. Obwohl sie im Durchschnitt die besseren Leistungen erbringen, habe sie am Ende weniger Zugangsberechtigungen zu weiterführenden Schulen und zur Hochschule. Obwohl die Leistungen der bayerischen SchülerInnen bundesweit am höchsten sind, haben wir die geringste Abiturquote. Da stimmt doch was nicht mit den Hürden, die hier aus politischen Gründen aufgebaut werden. Da mag man trefflich über die Qualität der bayerischen Bildungsabschlüsse streiten. Am Ende zählt immer noch der formale Abschluss im Wettbewerb mit anderen und da haben Bayerns Schüler eindeutig das Nachsehen. Das können Sie den Betroffenen nun wirklich nicht als Erfolg der bayerischen Bildungspolitik verkaufen, dass sie bei gleicher Leistung die schlechteren Zugangschancen haben.
Sie, Herr Schneider, KollegInnen von der CSU, sehen in den Pisa-Ergebnissen eine Bestätigung des 3-gliedrigen Schulsystems. Das sind sie gerade nicht. Denn Ihr Auslesesystem funktioniert nicht. Viele SchülerInnen bleiben unter ihren Möglichkeiten. Viele Schüler wären von ihren Leistungen her in der Lage einen höheren Bildungsabschluss zu machen, als es ihnen tatsächlich ermöglicht wird. Ihr Auslesesystem verhindert, dass junge Leute entsprechend ihrer Leistung auch hohe Bildungsabschlüsse bekommen. Und damit sind sie im immer härter werdenden Wettbewerb um begehrte Jobs und Ausbildungs- und Studienplätze eindeutig benachteiligt. Das ist das Ergebnis Ihrer Auslesepolitik. Bayerische Schüler haben nach den Pisa-Ergebnissen offenbar eine hohe Lesekompetenz. Unübertroffen ist jedoch Auslesekompetenz der bayerischen Bildungspolitik.
Und schließlich ist es nicht egal – zumindest nicht für die Betroffenen, mit welchen Mitteln ein bestimmtes Ergebnis erreicht wird. Ich glaube, wenn die Schüler, Eltern und Lehrer wählen könnten. Ob sie gute Leistungen erreichen in einem Druck- und Pauksystem, wie es in Südkorea praktiziert wird oder in einem auf individuelle Förderung ausgerichtetem System wie in Finnland, dann ist die Entscheidung klar.
Es gibt bessere Wege, gute Leistungen und gleichzeitig gerechte Chancen zu erreichen als sie derzeit in Bayern beschritten werden. Der Preis, den viele Schüler derzeit zahlen müssen, ist viel zu hoch und er ist vor allem unnötig. Das Bessere ist der Feind des Guten. Daran sollten Sie sich orientieren.
PISA – eine Chance, Bildung neu zu gestalten