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München (sip). Auch nach 100 Tagen im Amt des Ministerpräsidenten leidet Horst Seehofer noch immer unter einem hohen Maß an Orientierungslosigkeit. So gab er in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung an, während seiner Zeit als Bundesminister in Berlin den Blick auf den Friedensengel immer sehr genossen zu haben. "Diese enorme politische Weitsicht kann sich nicht einmal Superhorst auf die Fahnen heften", meint die Fraktionsvorsitzende der Grünen Margarete Bause.
Bekanntermaßen thront der Friedensengel nämlich mehrere hundert Kilometer vom Berliner Regierungsviertel entfernt hoch über der Münchner Isar. Und da die Grünen ja auch schon mal in Berlin mitregiert haben, vermuten sie natürlich messerscharf, dass es in Wirklichkeit die Berliner Siegessäule war, die Horst Seehofers Blick so in Verzückung versetzt hat. Nun spricht es ja aus Sicht einer pazifistischen Partei durchaus für Seehofer, wenn er die martialische Siegessäule der Preußen zum Friedensengel verklärt.
Margarete Bause allerdings vermutet hinter Seehofers geographischem Faux pax ein ernsthaftes Problem: "Das kommt halt davon, wenn man wie Seehofer nur noch die bayerische Brille auf hat und Berlin als Kampfplatz um das ramponierte Selbstbewusstsein der CSU begreift. Dann passiert es schnell, dass man z.B. beim Stichwort Bundesumweltgesetzbuch nur noch Bayerischer Bauernverband hört oder sich der Horizont beim europäischen Klimaschutz auf BMW verengt – oder dass man eben in der Berliner Siegessäule den Münchner Friedensengel sieht."
Aber vielleicht, so Margarete Bause zuversichtlich, wollte Seehofer in seinem Interview ja nur nach 100 Tagen ganz versteckt einen kleinen Strategiewechsel ankündigen: "Angela Merkel jedenfalls würde sich freuen, wenn Seehofer weniger bemüht wäre, permanent die Münchner Siegessäule zu geben, sondern in Berlin auch hin und wieder mal als Friedensengerl auftreten würde."