Christophorus Hospiz

„Den Tagen mehr Leben geben, nicht dem Leben mehr Tage“

Besuch im Christophorus Hospiz Verein München: Hier stimmt die gesamte Atmosphäre. Das spüre ich bei der herzlichen Begrüßung durch den Geschäftsführer Leonhard Wagner, seinem Stellvertreter Sepp Raischl und der Verwaltungsmitarbeiterin Barbara Reichart, die jegliches Aufkommen von Beklemmungen sofort schwinden lässt, als ich das Christophorus Hospiz Haus in München-Bogenhausen betrete.

Ich habe viel über diese beispielhafte Einrichtung gelesen und möchte das Haus jetzt persönlich erleben und im Gespräch mit den Praktikern herausfinden, inwieweit das im Jahre 2015 beschlossene Gesetz zur Verbesserung der Hospiz- und Palliativversorgung (HPG) die Hospizarbeit tatsächlich optimieren konnte.

Der Begriff Hospiz kommt vom lateinischen Wort hospitium und bedeutet Herberge oder Gasthaus. Heute bezeichnet man als Hospiz einen Ort, an den man zum Sterben geht. Schwerstkranke und sterbende Menschen werden im Hospiz in ihrer letzten Lebensphase begleitet und unterstützt, damit sie auch mit einem unheilbaren Leiden selbstbestimmt und in Würde leben und sterben können.

Beim Rundgang durch das Gebäude sehe ich helle Räumlichkeiten, die farbenfroh und geschmackvoll eingerichtet sind. 16 Einzelzimmer auf zwei Etagen, Gemeinschaftsräume und Übernachtungsmöglichkeiten für Angehörige sind vorhanden. Ein multiprofessionelles Team aus Pflege-, Hauswirtschaftskräften, Sozialarbeitern, Therapeuten und Ärzten und vielen Ehrenamtlichen betreut und versorgt die Menschen hier in ihrer letzten Lebensphase.

Außerdem werden Schwerstkranke und Sterbende auch ambulant begleitet. Mit heute 75 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und rund 260 Ehrenamtlichen wurde der ambulante Hospizdienst mit der allgemeinen palliativen Beratung, die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV), der palliativ-geriatrische Dienst, der Hospiz- und Palliativberatungsdienst für Menschen mit Behinderung, die Trauerunterstützung und im Mai 2017 das Institut für Bildung und Begegnung aufgebaut.

Der bereits 1985 gegründete Christophorus Hospiz Verein München ist überkonfessionell ausgerichtet. Er ist einer der ersten Hospizvereine Deutschlands innerhalb der in den letzten Jahren stark gewachsenen Hospizbewegung. Mich beeindruckt sehr, dass hier die Arbeit hier nicht nur die Versorgung und Begleitung von Schwerstkranken in ihrer letzten Lebensphase umfasst, sondern auch die Beratung, Betreuung und Koordination von Angehörigen, Mitarbeitern und Ärzten zu Hause und in Pflegeheimen.

Obwohl die meisten Menschen sich ein schmerzfreies Sterben zu Hause wünschen, sieht die Realität in Deutschland anders aus. 50 Prozent der Menschen sterben im Krankenhaus, fast ein Drittel in Pflegeheimen und nur 20 Prozent daheim. Ein Ziel der Hospizdienste ist die ambulante Versorgung auszubauen. Denn eine verbesserte Versorgung und Sterbebegleitung verringert den Wunsch der Schwerstkranken nach Sterbehilfe und Selbsttötung.

Das Gesetz zur Verbesserung der Hospiz- und Palliativversorgung (HPG) sollte unter anderem die finanzielle Ausstattung für Hospize, ambulante Hospizdienste und die palliative Versorgung in Krankenhäusern verbessern sowie den Anspruch auf individuelle Beratung und Hilfestellung gewährleisten. Ich bin froh zu hören, dass auch Leonhard Wagner und Sepp Raischl bestätigen können, dass das Gesetz in der Praxis tatsächlich wirkt. Gleichwohl ist es an der Zeit nachzubessern und Lücken zu füllen. Zum Bespiel darf die spezialisierte ambulante Palliativversorgung erst durchgeführt werden, wenn ganz bestimmte Symptome beim kranken Menschen auftreten. Oftmals kann aber die Begleitung schon sinnvoll sein, obwohl die Symptome noch nicht vorliegen. Für diese Lücke fehlt noch eine ausreichende Finanzierung. Ich hoffe, dass ich in der nächsten Legislaturperiode des Bundestages an der Überarbeitung des HPG mitwirken kann.

Nachdem wir die farbig gestalteten Bewohner-Trakte, Gemeinschafts- und Verwaltungs-bereiche besichtigt haben, gelangen wir in den schön gestalteten Bewohner-Garten. Eine grüne Oase, in dem es einen „Fluss der Erinnerung“ gibt: Beschriftete Isar-Steine erinnern an jeden Einzelnen der im Hospiz Verstorbenen. Sie symbolisieren einen Fluss, der an das Werden und Vergehen in unserem Leben erinnert – aber auch an das, was bleibt. Zu einem erfüllten Leben gehört ein würdevolles Sterben und Abschiednehmen. Hospizvereine wie der Christophorus Hospiz Verein München helfen dabei. Deshalb werde ich mich dafür einsetzen, dass mehr Menschen die Begleitung und Versorgung erhalten können, die sie in ihrer letzten Lebensphase wünschen.

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