Eine Schuloase in Wohnungsnot

„Berlin, du schöne Stadt“ singt der Chor der musisch-kreativen Aton-Schule im Schwabinger Westen. Das Lied ist Zufall – oder vielleicht doch nicht?  Auf jeden Fall passt es perfekt zu meinen Plänen nach der Bundestagswahl im Herbst München in Berlin zu vertreten. Heute besuche ich zusammen mit meiner SPD-Kollegin Isabell Zacharias die private reformpädagogische Ganztagsschule, weil die Mitgründerin und Schulleiterin Kamilla Hoerschelmann einen Hilferuf gestartet hat.  Die Schule sucht neue Räume, das Gebäude in der Infanteriestraße  wurde verkauft und soll abgerissen werden. Bis Mai 2018 muss ein neues Schulgebäude her. In München ist das alles andere als einfach.

Eine Stunde lang werden wir durch die Räume geführt und mit jedem Einblick steigt die Begeisterung.
Schnell ist mir klar, dass ich am liebsten selbst auf diese Schule gegangen wäre. Schön, hell, liebevoll gestaltet, in jedem Zimmer Blumen, überall Musikinstrumente wie Harfe, Klavier, Ziehharmonika, Gitarre machen deutlich, dass das gesamte schulische Leben in musische Tätigkeiten eingebettet ist. Von der Töpferwerkstatt geht’s in die Schulküche wo sich drei Buben auf die Generalprobe ihres Menüs vorbereiten, das sie zur Abschlussprüfung kochen. Auffällig ist die ruhige, konzentrierte Atmosphäre, kein Gong unterbricht die Beschäftigung, kein 45-Minuten-Takt diktiert die Zeiteinteilung. Das Schulkonzept überzeugt mich aber nicht nur durch den kreativen Freiraum, sondern auch durch das kindgerechte und dennoch ambitionierte Konzept. So lernen die SchülerInnen schon ab der ersten Jahrgangsstufe Englisch und Spanisch.
Das ganzheitliche, fächerübergreifende Lernen findet in kleinen altersgemischten Gruppen statt, wobei zwischen Grundschule, Mittelstufe und Oberstufe unterschieden wird. Die Unterrichtseinheiten wechseln sich mit freien Zeiten ab, in denen sich die Kinder mit ihren eigenen Projekten beschäftigen. „Die einen beschäftigen sich mit Üben des gerade Gelernten während die anderen einen Ausgleich durch Musizieren oder Basteln finden.“, beschreibt Kamilla Hoerschelmann. Das Kredo lautet Selbstentfaltung und Eigenverantwortung. Die Kinder lernen von Anfang an Verantwortung für ihr eigenes Lernen zu übernehmen.

Das Herzstück der Schule ist der große Saal, in dem nicht nur Musik- und Theateraufführungen stattfinden, sondern auch Kinder, Lehrkräfte und Eltern einmal pro Woche zusammenkommen und sich austauschen. „Mir ist es sehr wichtig, dass wir in einem neuen Gebäude wieder einen solchen Platz zur Zusammenkunft haben.“, betont die Schulleiterin.

Bei der Begegnung mit den SchülerInnen fasziniert mich besonders das Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein, das sie ausstrahlen. So erzählt eine Gruppe Jugendlicher ungezwungen und voller Vorfreude von ihren bevorstehenden Praktika. In einer Woche soll es losgehen. Die Praktikumsplätze haben sie sich selbst nach ihren Interessen ausgesucht, sich selbstständig beworben und vorgestellt. Die Palette ist bunt gemischt, sie geht von der Bäckerei über die Tierärztin bis zum Kindergarten. Eigentlich wollte ich ihnen vorschlagen, dass ein Praktikum im Landtag auch eine gute Idee wäre, aber alle ihre Pläne klingen mindestens ebenso spannend.

Am Ende des Rundgangs ist es umso drängender, mit der Schulleiterin über die schwierige Lage der Schule zu sprechen. Die Hoffnung, dass Stadt oder Staat eine Immobilie zur Verfügung stellen, ist leider nicht sehr groß. Die vorhandenen Flächen in München werden für städtische und staatliche Schulen benötigt. Trotzdem ist die Aton-Schule eine Bereicherung für die Schullandschaft. Mit ihrer erfolgreichen Pädagogik ist sie ein Vorbild für die Regelschulen und zeigt wie sich unser Schulsystem insgesamt verändern kann und muss.  Deshalb werde ich die Aton-Schule bei der Raumsuche mit meinen Möglichkeiten unterstützen. Denn solche Schulen braucht das Land!

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