Grüner Sommerwirtschaftsempfang – diesmal: wie gestalten wir die Digitalisierung?

Ob wir wollen, dass Algorithmen und digitale Technologie unser Leben durchdringen, das können wir nicht mehr entscheiden. Aber wir können den Prozess steuern und die Rahmenbedingungen setzen. Wir können und wir müssen die Entwicklung gestalten. Deshalb stand das Thema Digitalisierung im Mittelpunkt meines sechsten Sommerwirtschaftsempfangs, der – wie in den vergangenen Jahren – in den schönen Räumlichkeiten der GLS Bank in München stattfand. Neu in diesem Jahr: Diesmal habe ich zusammen mit Katharina Schulze, meiner Ex-Kollegin im Bayerischen Landtag, gleichzeitig Fraktionsvorsitzende und Spitzenkandidatin zur anstehenden Landtagswahl, zu diesem sommerlichen Empfang eingeladen.

Es ist an der Zeit, dass wir uns endlich darüber verständigen, wie wir das technisch Mögliche und das ethisch Nötige der Digitalisierung zusammenbringen können.Unsere Referentin Andera Gadeib, Online-Enthusiastin und Vollblut-Entrepreneurin – wie sie sich selbst beschreibt – machte deutlich, dass wir bei der Digitalisierung unbedingt den Menschen in den Mittelpunkt stellen müssen. Technologien sollen nicht um ihrer selbst Willen entwickelt werden, sondern es geht um der Nutzen für die Gesellschaft. Große Hoffnung setzt Andera Gadeib in die neue Generation SchülerInnen: mit neuen Konzepten der Wissensvermittlung könne man den Fachkräftemangel und die fehlende Diversität in der Digitalbranche (und damit allen Branchen) bekämpfen. Dazu müsse es mit der digitalen Bildung aber in der dritten Klasse losgehen! Außerdem muss endlich mit dem Vorurteil aufgeräumt werden, dass Digitalisierung Männersache sei. Umso passender war unser rein weibliches Podium.

Unser grünes Ziel ist es, dass die Digitalisierung zu mehr Lebensqualität für alle führt. Dieses Ziel erreichen wir aber nicht, wenn wir der technologischen und ökonomischen Entwicklung einfach ihren Lauf lassen. Der Markt bringt Angebot und Nachfrage zusammen. Für Selbstbestimmung, Freiheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu sorgen, ist dagegen eine originär politische Aufgabe.

Die Digitalisierung führt bereits jetzt zu einem tiefgreifenden Wandel unserer Arbeitswelt. In der digitalen Ökonomie ist nicht mehr in erster Linie gefragt, Vorhandenes zu perfektionieren, sondern Neues zu entwickeln. Das bedeutet, dass sich Schulen und Ausbildungsstätten stark verändern müssen.

Die Digitalisierung stellt die bisherige Form des Unterrichts – eine Lehrkraft vermittelt das Wissen an eine Klasse – komplett infrage und birgt die große Chance, dass die Lehrkräfte individueller auf Bedürfnisse und Lerngeschwindigkeiten eingehen können. Digital gebildete Absolventinnen und Absolventen braucht unsere Wirtschaft – aber auch das lebenslange Lernen.

In der Diskussion mit dem Publikum und in vielen Einzelgesprächen ist klargeworden: Zur Gestaltung der Digitalisierung als globale Herausforderung brauchen wir alle politischen Ebenen, von den Kommunen über Land, Bund bis zur europäischen Union. Die Verankerung digitaler Bürgerrechte, der Schutz der Rechte der Verbraucherinnen und Verbraucher, die smarte digitale Steuerung bei der Energie- und Verkehrswende – all das sind Herausforderungen nicht nur für die Politik sondern ebenso von UnternehmerInnen und die Zivilgesellschaft.

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