Mein Leben
Joachim Gauck
„Wir sind so frei“, steht auf der Vorderseite unserer T-Shirts, mit denen wir unseren Protest gegen die von der CSU geplante Einschränkung des Versammlungsrechts deutlich sichtbar in einer Marathondebatte im Landtag zum Ausdruck bringen. Auf der Rückseite prangt § 113 der Bayerischen Verfassung: „Alle Bewohner Bayerns haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder besondere Erlaubnis friedlich und unbewaffnet zu versammeln.“ Mit ihrer absoluten Mehrheit beschließt die CSU das Gesetz im Sommer 2008, doch einige Monate später kippt das Bundesverfassungsgericht das verfassungswidrige Vorhaben.
Russischer Staatsbesuch
Beim Staatsbesuch von Wladimir Putin im Oktober 2006 will Ministerpräsident Edmund Stoiber dem Gast eine weiß-blaue Schönwetterfassade präsentieren. Statt zum Staatsempfang zu gehen, versammeln wir uns deshalb vor der Residenz zur Mahnwache für die ermordete russische Journalistin Anna Politkowskaja.
Grün sticht!
1998 - 2003 Landesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen in Bayern
1998 wollte ich es wieder wissen und zurück auf die politische Bühne. Da mein Kreisverband keine Kopfplakate akzeptieren wollte, habe ich mir eine andere Lösung einfallen lassen und die Vorgaben vom „Kopf auf die Füße“ gestellt. Trotz großer Aufmerksamkeit klappte mein (Wieder-) Einzug in den Landtag bei dieser Wahl nicht. Einige Wochen später wurde ich aber von der Parteibasis zur Landesvorsitzenden der Bayerischen Grünen gewählt.
1991 - 1993 Landesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen in Bayern
Wackersdorf
In Wackersdorf waren wir regelmäßig. Gemeinsam mit vielen Bayern haben wir von der grünen Fraktion gegen den Bau der geplanten Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) gekämpft. Den Hasstiraden der CSU ebenso trotzend wie den Knüppeln und Wasserwerfern der Polizei, manchmal wütend und verzweifelt, aber wir wurden immer mehr. Und wir hatten Erfolg. Im Frühjahr 1989 dann der Durchbruch: Nach jahrelangem massiven Widerstand aus der ganzen Bevölkerung mussten Strauss und seine Amigos ihre Niederlage eingestehen. Die WAA wurde nicht gebaut. Manchmal frage ich mich heute, was wäre, wenn wir nicht gewonnen hätten. Und es in Bayern heute eine WAA gäbe und die Castoren regelmäßig durch die Oberfpalz führen?
Einzug in den Landtag
Unser Einzug in den Landtag im Oktober 1986. Es war ein Kulturschock – für uns und für die anderen. Wir brachten frischen Wind ins verstaubte Zwei-Parteien-Parlament, jede Menge neue Themen und Aktionsformen. Franz Josef Strauß versuchte es mit Ausgrenzung, Pöbeleien und ordnete an, dass wir zu staatlichen Veranstaltungen nicht zugelassen wurden. Die Einschüchterungsversuche haben uns rückblickend sogar eher genutzt als geschadet, da sich immer mehr Menschen mit uns solidarisierten.
1984 - 1986 Frauenreferentin der Grünen in Bayern
Meine erste politische Heimat habe ich in der Frauenbewegung in München gefunden. Der Kampf gegen den § 218, gegen Gewalt an Frauen, für gleiche Rechte und Chancen – das waren die Themen, die mich politisch aktiv werden ließen. Über mein Engagement in der Frauenbewegung bin ich Anfang der 80er Jahre auch zu den Grünen gekommen. 1984 wurde ich Frauenreferentin der Bayerischen Grünen, wie man sieht, damals schon ganz ohne Latzhose und Strickzeug …
Volksschule
Bis zu meiner Volksschule nach Altdorf waren es fast 5 Kilometer, die ich meist zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegte. Wiesen, Wald und Tiere waren fester Bestandteil meiner Kindheit. Aber auch die Bücher im Schrank meiner Eltern, die ich verschlungen habe und das Raufen mit meinen drei Brüdern haben dazu gehört. Später, auf dem Gymnasium in Landshut, habe ich dann die Liebe zur Literatur und zum Theater entdeckt.
Geboren in Wertheim am Main


























