Margarete Bause und Anna Sophia

Praktikum bei der Fraktionsvorsitzenden

Was stellt man sich vor, wenn man bei der Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Landtag Praktikum macht? Ein riesiges Büro, ein voller Terminkalender und viel Arbeit. Ein Teil davon stimmt. Das Büro jedoch ist eher klein und mit drei Schreibtischen voll. Der Terminkalender auch. Es gibt auch keine unzähligen Mitarbeiter, die Reden werden selbst geschrieben und manche E-Mails persönlich beantwortet.

Gleich der Beginn meines Praktikums war alles andere als ruhig. Treffpunkt 6:30 vorm Landtag – Abfahrt zum Kloster Banz. Dort wird mir in einer schnellen Aufbauphase gleich einmal eine Seite des Transparents und eine Trillerpfeife in die Hand gedrückt. Demo gegen den Besuch von Viktor Orbán bei der Klausur der CSU-Fraktion. Auch das ist Politik.

Als Praktikantin hatte ich das Glück in alle Bereiche einmal hinein schauen zu können. Vieles habe ich mitbekommen und gelernt. Jeden Tag gibt es andere Termine. Fraktionsinterne, Plenum oder Treffen mit der „Zivilgesellschaft“. Als Fraktionsvorsitzende musst du immer eine Antwort zu jedem Thema bereit haben. Klimawandel, Flüchtlinge, die Wirtschaft. Dabei ist es egal ob das nun Landes-, Bundes- oder Europapolitik ist. Denn die Besucher im Landtag oder Menschen, die Margarete auf Veranstaltungen trifft, interessieren sich für ihre Antworten.

Wie also sieht nun eine typische Woche aus? Zu allererst gibt es keine typische. Jede Woche ist und war anders. Immer kommt es anders als man es plant. Termine kommen kurzfristig hinzu oder werden abgesagt. Politik ist schnelllebig und so auch Margarete Terminkalender. Und doch gibt es feste, regelmäßige Termine. Die Besprechungen mit der Pressestelle, Austausch mit den Koordinatoren und Koordinatorinnen der Arbeitskreise, Fraktionssitzungen, Arbeitskreissitzungen, die Vollversammlungen des Landtages und der Austausch mit anderen Grünen. Fast könnte man meinen, das reicht für eine Woche. Aber natürlich müssen die ganzen Informationen für die politische Arbeit auch eingeholt werden. Also gibt es Treffen mit verschiedenen Verbänden und Organisationen oder Ortsbesuche. Übrigens, die Anreise erfolgt meistens mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Die Treffen mit Betroffenen sind wertvoll und wichtig für die politische Arbeit. Die Menschen und ihre Geschichten beeinflussen auch das eigene Handeln.

Politisches Leben ist vielschichtig. Selten werden in den Plenumssitzungen noch so richtig Entscheidungen verändert. Die Anträge und Gesetzesentwürfe haben schon einen langen Weg bis dorthin durchlaufen. Zu allererst werden sie in den fraktionsinternen Arbeitskreisen vorbereitet. Jede Fraktion hat unterschiedlich viele, zu unterschiedlichen Themen. Jeder Abgeordnete sitzt in den Arbeitskreisen, die seine Themenbereiche betreffen. Gemeinsam mit den zuständigen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Fraktion werden hier Anträge und Vorgehensweisen beraten.

Kloster Banz - Orban

Erster Arbeitstag – Protest gegen den Besuch von Viktor Orbán

Diese Anträge werden dann noch einmal in der Fraktionssitzung allen Abgeordneten vorgestellt und wenn diese hier beschlossen werden, kommen sie in die zuständigen Ausschüsse. Und dort werden dann die Entscheidungen getroffen. Denn dort sitzen alle Fraktionen, den Mehrheitsverhältnissen entsprechend. Hier werden Argumente ausgetauscht und diskutiert. Den Ausgang der Abstimmung im Plenum weiß man dann meistens schon vorher. Und trotzdem ist das Plenum manchmal richtig spannend. Wenn hitzige Debatten über kurzfristig eingereichte Anträge, die noch nicht im Ausschuss waren, geführt werden und man merkt warum Opposition so wichtig ist.

Besonders einprägend war da für mich die Debatte um den Salmonellen-Skandal bei Bayern-Ei in der letzten Plenarsitzung vor Weihnachten. Wenn Politiker und Politikerinnen sich nicht mehr auf ihre Manuskripte verlassen können und spontan agieren müssen, dann ist das einer der Höhepunkte im Plenum.

Politisches Leben bildet häufig auch die Stimmung in der Gesellschaft ab. Die Themen, die die Bevölkerung bewegen, sind auch die politisch brisantesten. Während meines Praktikums, von September bis Dezember, waren vor allem die vielen Menschen auf der Flucht, die zu uns kommen, das bestimmende Thema. Der Umgang mit ihnen und ihre Perspektive haben vermutlich jeden Politiker und jede Politikerin beschäftigt. Besonders wenn man in den persönlichen Kontakt kommt und ein Gesicht zu den hunderten an Einzelschicksalen bekommt, lässt das keinen kalt.

Aber nicht nur mit diesem Thema habe ich mich beschäftigt. Das Amt als Fraktionsvorsitzende bringt es mit sich, dass man für mehr als ein Thema zuständig ist. Gemeinsam mit Ihrem Kollegen Ludwig Hartmann deckt Margarete alle politisch relevanten Themen ihrer Fraktion ab. Das bedeutet, dass sie sich mit Bildung, Flüchtlingspolitik und Integration und vielen weiteren Themen beschäftigt und sich darin auch wirklich auskennt.

Drei Monate politisches Leben live. Ich habe viel gelernt: was es bedeutet Opposition in einem Parlament zu sein, aber auch wie wichtig jeder einzelne Bürger und Bürgerin mit seinem politischen Handeln ist. Auch was es bedeutet Abgeordneter zu sein, immer ansprechbar sein zu müssen und eine Antwort parat zu haben. Außerdem wie spannend Politik ist. Wer mir das nicht glaubt, kann ja mal als Besucher im Landtag vorbeischauen und den Abgeordneten Fragen stellen.

>> Anna (18) absolvierte ihr Praktikum von September bis Dezember 2015. Ihr nächstes Ziel: Ein Studium der Politikwissenschaft<<

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